Gabriele Regiert – Großer Vorhang für kleine Bilder

07/07/2016

Vernissage am Fr. 15. Juli um 20 Uhr

bis 26. August, 20 Uhr: Finissage mit Performances von Lydia Karstadt, Rias am Abend, Oliver Voigt und einem DJ Set von Erochica Bambou

Später Vorhangkasten Gabriele Regiert Galerie Crystal Ball Berlin

Später Vorhangkasten, Gabriele Regiert, 2016

Gabriele Regierts Kunst zeigt eine besondere Präsenz, die durch eine virtuose Sprache ihrer Objekte erzeugt wird. Die Installationen, Aufbauten und Objekte der Künstlerin entwerfen eine freie Wirkung, die sich auch außerhalb des klassischen Kunstkontext bewegen. Man könnte behaupten sie operieren entgegen gängigen Aufmerksamkeits- und Wahnehmungskonventionen oder setzen durch ihre Phänomenologie Kontrapunkte. Ihre Lesart und Rezeption ist eher performativ, denn man scheint zu den Objekten und in den Installationen eine Sehweise erst herzustellen. Manche Werke erscheinen manchmal unvollendet oder gar verunglückt und bestimmte Eingriffe lassen uns als Betrachter in hypothetische Vermutungen hinaus schweifen. Ist die eingebaute Hartfaserplatte im Objekt von der Künstlerin gestaltet oder schon vordem von einem Kind bemalt worden? Ist es kreiert oder inszeniert? Die Gleichberechtigung der Materialien als Affekte unterstützt eine spezielle Präsenz in der Schwebe. Es ist die Gegenwart des Lapidaren und Nebensächlichen, des Vergessenen, an die Straße gestellten, des ausgemusterten Dinges, welches seine neue Bedeutung erobert. Gerade dies ist die Kreation, das Talent der Künstlerin Regiert, in einem lange währenden Arbeitsprozess eine bedeutungsvolle Offenheit zu erzeugen. Entgegen einer Eindeutigkeit eines Künstler-Designs, oder gar einer strengeren, marktorientierten Konzeptualität erhöht es die Freiheit der Kunstwerke immanent und lässt sie für uns, teils materiell, verschwinden. Sie zeigen eine verlorene Funktionalität, eine mehr erinnerte Form, stellen besser eine Assoziation her, an etwas nicht greifbares, welches doch auftaucht und erscheint. Die Dinge selbst sind flüchtig und instabil, nahezu vergeistigt in ihrer Zwischenwelt. Unklar auch, wo das Werk endet oder beginnt. Wo ist es Einzelstück? Wo ist es Pendant oder gehört zu etwas? Unwiederbringliches Original wird zu Material. Eigene und fremde Malerei wird in Streifen gerissen und zu neuen Flächen verwebt oder über Holzkörper gezogen und betritt den Raum. Eigenes und Gefundenes. Es kommunizieren die gesammelten, die belassenen, die bearbeiteten Teile, die Spuren und Werkstücke. Das Alte mit dem Neuen. Das Geheime und das Offensichtliche. Die Beziehungen, die Zusammenhänge der Dinge. Das Archiv spricht: „Ein Großer Vorhang für kleine Bilder“. Gabriele Regiert ist eine verantwortungsvolle Sammlerin und Archivarin, eine präzise und unbeeindruckte Künstlerin. Ihre Dinge kommen zum richtigen Zeitpunkt an ihren idealen Platz. Im Materialkontext nehmen sie eine Stelle in dieser Welt ein, die ihnen zukommt und diese zudem intuitiv erklärt. Besonders amüsant und geradezu genial, wenn eine neue Serie von Arbeiten für die Ausstellung in Crystal Ball wiederum „Kunstwerke“ spielen. Einige zusammengebrachte, verschraubte und eingesägte Holzteile bilden einen Holzkörper und greifen skulptural in den Raum. Sie sind wahre Performer. Sie sind nicht nur Körper, sondern sie verkörpern auch.

Gabriel Regiert’s art reveals through a unique presence, a virtuosic strategy of her artistic language. The artists installations, structures, and objects exert a free ranging effect transgressing the limits of the classical art context. One could argue that they contradict accepted conventions of perception or possibly they are a phenomenological counterpoint. They are perceived more as performative because they set the criteria with which one experiences them. Some works appear unfinished or slightly mangled as we, the viewers, must hypothesize their actual state or condition. Is the built-in object Fibreboard designed by the artist, or have already been previously painted by a child? Is it intended, constructed or simply staged ?The affect of the mundane materials creates a moment of hesitation. It is the simultaneous presence of the lapidary and the incidental, the forgotten, left on the road. The retired object conquers its own new meaning. This is precisely the strength and talent of the artist. She is able to expound a profound openness throughout a long-running working process. In contrast to a usual uniqueness of the artist’s design, or more precisely, a market-oriented conceptualism, increases the freedom of art, somehow allowing them to materially disappear. They demonstrate a lost functionality, a remembered shape, which evokes a connection, intangible, that nevertheless appears. The things themselves are ephemeral and unstable. Almost spiritual in their in-between state. Also, it is unclear where the work ends and begins. When is it a unique piece? Is it a pendant or is it connected to something more? The irretrievable original becomes material. Own paintings and others are torn into strips, woven to new surfaces and pulled over wooden bodies that enter the room. Created and found material.  It communicates the collected, the untouched, the machined parts, the tracks and workpieces. The old with the new. The secret and the obvious. The relationships, the associations of things. The archive speaks: „A big curtain for small pictures“. Gabriele Regiert is a responsible collector and archivist, a precise and unimpressed artist. Her things will be put at the right time at their ideal place. In the context of materiality they occupy a place in this world that they deserve and also explains it intuitively. Particularly amusing and downright ingenious when a new series of works for the exhibition in Crystal Ball again play „artpiece“. Some matched, bolted and turned sawed wood parts form a timber body and grip sculptural into the room. They are true performers. They are not only the body, but also embodiment.
There has been published an artist’s edition for this presentation.

Zur Ausstellung erscheint eine Künstleredition.

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Gabriele Regiert – Remise en Ordre, Installation

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